alles hat seine zeit

an dem tag wurde alles irgendwie merkwürdig
etwas geschah und ich verlor den halt
jemand sah in einem traum die flügel des letzten engels
etwas stieg in den himmel
und der himmel dämmerte

seit einem jahr regnet es
und der regen scheint endlos
es ist warm und trotzdem ist mir kalt
eis ist erstmal schwach geschmolzen
bis es wasser wurde
die erde wird bedeckt
die see dampft

was zum teufel sollen wir machen
gleich bedeckt das wasser das land
es gibt keine plätze in der arche
die man reservieren kann
finden wir keine geschäftsmänner
die uns retten könnten
was zum teufel sollen wir machen
gleich bedeckt das wasser das land

ein frühlingstag, vor langer zeit in irgendeinem mai
ein altes bild zeigt mich wie ich stehe
ich stehe in stiefeln im hellen sonnenschein
der garten wurde zu seeboden
und die stiefel sind verloren

nun sind die felder so naß
nicht mal die kinder wachsen
die blieben klein und verschwanden langsam
wenn man still ist
kann man das wasser steigen hören
es kommt gleich hier an
habe ich berechnet

(tomi tuomaala & timo rautiainen)



ein guter tag

heute ist ein guter tag
tag des wissens, tag des verstandes
heute ist ein guter tag
die arbeit zu ende zu führen

heute hasse ich mich
und verstehe was ich bin
ich weiß woher ich komme
und wohin ich gehe

heute schimmert alles
in den grellen lichtern
heute ist ein guter tag
hinter das lächeln zu sehen

heute scheint die sonne schön
verbrennt alle lügner
heute ist ein guter tag
der allerletzte

(tomi tuomaala)



in frostigen tälern

die schwächen der vergangenheit
dampfen in ihren löchern
in den frostigen tälern wartet
der mann des ewigen winters

hier verdichten sich
die übeltaten zu kleinen hügeln
links könnt ihr die flächen
von enttäuschungen sehen

am horizont
macht den übelsten lärm
der krähenschwarm des unwohlseins
rückwertsfliegend

unten öffnet sich
das zugewachsene moorland
tumore, die nicht früh genug
gefunden worden

jede nacht verstellt
jemand alle uhren
die sonne geht immer dann unter
wenn man aufsteht

man kann nicht weggehen
anderswo führt kein weg hin
kein zugvogel
fliegt hier vorbei

niemand, der herkommt
geht ohne zu zittern
von den händen der guten väter
wird nicht geträumt

(tomi tuomaala)



russlands waisen

die sonne geht auf
über unseren köpfen
keinerlei schutz
durch die kahlen bäume

ein mann mit
seinen kameraden
auf ihren hüten
prangt ein roter stern

die arbeiten hier
wissen nicht warum
im heimathafen
von atom-u-booten

ihnen ist es egal
sie kümmern sich um nichts
denken nicht ans schicksal
der waisen von russland

des nachts keinen schlaf
alles muß vergessen werden
du kannst es nicht
du mußt es aber wagen

an der wand zu stehen
mit den händen im nacken
es ist zwecklos
sich zu verstecken

kommt der große morgen
fest des hellen lichtes
das präludium
des tausendjährigen winters

du kannst keine
zuflucht finden
es ist zwecklos
überhaupt nach einer zu suchen

(timo rautiainen)

an der grenze

ich habe mir sagen lassen
hier geschähen merkwürdige dinge
man hat stumme männer gesehen
bei unbegreiflichen taten

von weit her sind tiere gekommen
die es gar nicht geben sollte
dort soll man nicht
mehr weit atmen können

wegen irgendeiner ursache
ist mir heute übler als gestern
und gestern war mir übler
als vorgestern

sicher ist unsicher geworden
fremd ist fremd geblieben
ich habe angst, weil ich nur weiß
wie wenig zeit mir bleibt

die ganze zeit haben wir
in der leere gestanden
nun stehen wir zumindest
wir stehen an der grenze

es gibt hier keine festen steine
auf denen man bauen könnte
ich höre nur die worte
"bitte helft mir"

(tomi tuomaala)



fernfahrer

wer weiß was es gibt
in den tiefen wassern
tausende von metern unter den wellen
ich habe darüber nachgedacht
wie es wäre, dort zu sein
in aller ruhe zusammen mit den fischen

letzten donnerstag
da nahm man mir das schild weg
auf der autobahn
da dürfte ich gar nicht mehr fahr'n

inmitten der weiten wälder
schlafe ich auf rastplätzen
ich dürfte nicht anhalten
die überlegen noch

jemand muß das doch machen
die haben versprochen
die endgültige stelle
bekäme ich sicher im sommer

die waren im anhänger
man weiß nicht was die sind
die männer mit den messern
die ziehen sich masken an

es wäre schön nach hause zu fahren
nach langer zeit
nach dreizehn jahren die eigenen kinder
und den neuen mann der frau zu sehen

es gibt keine weissen flecken
auf der landkarte
du kannst der erde nicht fern genug sein
deiner last nicht entfliehen

(tomi tuomaala)



liebe ohne grenze

so war er nochmal
halbwegs gekommen
er hatte sich für besser gehalten

die donnerstürme nähern sich
der gedanke bleibt unklar

er steht krumm
inmitten des hofes
zu müde, um steine umzustoßen

er guckt zurück
um zu bemerken
nur die spuren folgen ihm

warum blieb die gute frau im süden
warum hört er das lachen der kinder nicht

es gäbe genug wälder
und felder
wenn er nur pflügen würde

obwohl die familie stirbt
bleibt der mut
er macht immer was er sich vornimmt
obwohl das zimmer zu niedrig ist
und das seil zu dick

(tomi tuomaala)



stille

in der dreizehnten etage
sitze ich und halte deine hand
häßliche, dunkle Wolken liegen da unten
und die ganze welt hängt an dünnen fäden

ich hoffe jemand kann dich heilen
doch weiß ich, meine hoffnung mag sich nicht erfüllen
man sagt du seist unterwegs
aber nicht alleine
entweder reisen wir gemeinsam ab
oder ich komme nach dir an

als die stunde kam
betrog ich dich
ich kann nichts machen
kann jemand was machen

(tomi tuomaala)